Deutsch-tschechischer Stammtisch in Zwönitz am 18.04.2026

Gemeinsam mit unseren tschechischen Freunden vom Erzgebirgsverein Abertamy und dem Kulturverband Kraslice trafen wir uns am 18. April 2026, um 13.00 Uhr in der Vereinshalle des Zwönitzer Turn- und Skivereines 1859 Zwönitz e.V. Nach einem kurzen Schwätzchen, bei Kaffee und Naschwerk fuhren wir mit dem schicken Bus, mit dem unsere Kraslicer Freunde angereist waren, zu den Treffpunkten. Eine Gruppe begann auf dem Markplatz mit der Stadtführung, die andere mit der Besichtigung des Technischen Museums Papiermühle Niederzwönitz.

Die Stadtführung mit dem Zwönitzer Türmer Herrn Matthias Franke begann mit einigen Informationen zur Stadtgeschichte und der 1688-92 nach einem Stadtbrand neu aufgebauten Tinitatiskirche. Die Kirche hat die Besonderheit, dass der Turm aus Platzgründen auf der Nordseite steht. Im Inneren wurde sie erst vor kurzem restauriert und ist zu einem sehenswerten Schmuckstück der Stadt Zwönitz geworden. Mit 2 Stücken brachte Dr. Petr Rojik die Orgel zum Erklingen, feine Streicheleinheiten für Ohr und Seele. Nicht weit von der Kirche befindet sich das alte Schulgebäude, ein kleines hübsches Fachwerkhaus. Es diente fast 500 Jahre im Dienst der Kirche, um den jüngsten der Stadt ein gutes Benehmen und ein Grundwissen in nur 2 Räumen, mit meist nur einem Lehrer, nämlich den Küster, zu vermitteln. Vorbei am österlich geschmückten Pferdebrunnen, der an der alten Salzstraße liegt, endete die Führung am Nachtwächterdenkmal, deren Tradition in Zwönitz noch am Leben erhalten und gewürdigt wird.

Die Niederzwönitzer Papiermühle, seit 2019 ein assoziiertes Objekt des UNESCO-Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří wurde 1568 erstmals urkundlich erwähnt und ist die älteste ihrer Art in Deutschland. Während der spannenden Führung wurde uns gezeigt, wie in alter Zeit aus Lumpenfasern, später Holzfasern zu einem Brei zermahlen in einem kleinen Holzrahmen Papier geschröpft und mit dem Wasserzeichen des Herstellers versehen wurde. Nach einer Modernisierung ab 1868 produzierte man hier Pappen, die als Verpackungsmaterial für viele Gewerke im Erzgebirge gebraucht wurden. Während der Führung durften wir die einzelnen Produktionsschritte an den noch funktionierenden Maschinen miterleben. In den im oberen Stockwerk liegenden Wohnräumen der Besitzer konnte sich jeder in alte Zeiten hineinträumen.

Weiter ging es in gemütlicher Runde mit einem leckeren Abendessen und der musikalischen Umrahmung durch Kai Riedel. Bei angeregten Gesprächen und Diskussionen über das Erlebte gab es keine Sprachbarrieren. Auch wurden Pläne für weitere Treffen geschmiedet und neue Freundschaften begründet, gepflegt und gefestigt. So verging die Zeit viel zu schnell. In den frühen Abendstunden klang dann die Veranstaltung aus.

Unser besonderer Dank für dieses tolle deutsch-tschechische Treffen gilt den Organisatoren und fleißigen Helfern sowie der Europäischen Union, die diese Veranstaltung im Rahmen des Förderprogramms Interreg Sachsen-Tschechien 2012-2027 kofinanziert und damit ermöglicht hat.

Rolf Albrecht